Bildung bleibt ein zentrales Thema – auch in Zeiten von Corona

15.12.2020 - 07:31

Während Kurzarbeit an Weiterbildung denken? Trotz Corona den Wechsel von der Schule in das Berufsleben planen? Das sind angesichts der aktuellen Situation große Herausforderungen. Die Corona-Krise geht aber mit einem enormen und schnellen Wandel der Arbeitswelt einher. Daher sind Bildung und Qualifizierung gerade jetzt besonders wichtig, waren sich Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, und Sybille Benning, CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied in der „Enquete Kommission für Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“. im Gespräch über die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt einig.

Für junge Menschen, die vor dem Einstieg in den Beruf stehen, ist die Situation nicht einfach. Die Corona-Pandemie schränkt viele Möglichkeiten der beruflichen Orientierung ein. Ausbildungsmessen finden, wenn überhaupt, virtuell statt. Ein Praktikum zu absolvieren ist auch schwieriger geworden. „Hinzu kommt bei vielen Jugendlichen eine große Verunsicherung, ob sie überhaupt einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf finden können“, schilderte Joachim Fahnemann im Austausch mit Sybille Benning. Diese Sorge sei nachvollziehbar, es gebe aber keinen Anlass zur Befürchtung, dass aufgrund der Corona-Pandemie ein Berufseinstieg nicht gelingen könne, unterstrich der Agenturleiter: „Denn unsere Berufsberatung unterstützt alle Jugendlichen, die Beratung wünschen und brauchen“.

Zudem sei die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in Münster ungebrochen hoch, so Fahnemann. Allein im Oktober und November meldeten Münsteraner Unternehmen 320 Ausbildungsstellen für den Ausbildungsbeginn noch in diesem Jahr. Daher sei die Berufsberatung im engen Austausch insbesondere auch mit den örtlichen Berufskollegs, erläuterte Fahnemann: „Manche Jugendliche, die eigentlich gerne im Herbst eine Ausbildung beginnen wollten, haben sich angesichts der Corona-Krise zunächst für einen weiteren Schulbesuch angemeldet. Unsere Berufsberatung ist mit diesen Schülerinnen und Schülern im Gespräch, um ihnen für dieses Jahr noch eine passende Ausbildungsstelle zu vermitteln“. Sybille Benning lobte in diesem Zusammenhang das große Engagement der Arbeitgeber: „Die Unternehmen wissen, dass sie heute ihre Fachkräfte von morgen ausbilden. Die finanzielle Förderung mit der Ausbildungsprämie ist dabei eine gute und sinnvolle Unterstützung für alle Betriebe, die sich trotz Corona entscheiden, jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen“, merkte sie an. 

Bildung sei aber ein Thema, das nicht nur junge Menschen betreffe, führte Fahnemann aus. „Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen die Digitalisierung beschleunigt. Der technische Fortschritt verändert die Arbeitswelt künftig noch mehr. Daher wird es zunehmend wichtiger, in Weiterbildung und Qualifizierung zu investieren“. Sybille Benning stimmte zu: „Die Menschen müssen sich kontinuierlich weiterbilden. Dazu brauchen sie eine Orientierung, welche Bildungsangebote individuell passend sein können. Deshalb ist es wichtig, dass es Plattformen und Beratung zu Qualifizierungsmöglichkeiten und –angeboten gibt.“ In der Diskussion sei es außerdem, Weiterbildungsmodule stärker zu fördern, die in mehreren kleinen Schritten zu einem Abschluss führen, erklärte die Abgeordnete. „Der Beratungsbedarf von Arbeitgebern und Arbeitnehmern rund um das Thema Weiterbildung ist groß. Daher haben wir mit der lebensbegleitenden Berufsberatung ein neues Dienstleistungsangebot gestartet, das genau hier ansetzt“, erläuterte Fahnemann.

„Auch, wenn einige Unternehmen die Corona-Pandemie und damit verbundene Kurzarbeit nutzen, um ihre Mitarbeiter zu qualifizieren, ist für viele Betriebe aktuell aber die Sorge, wie sie die aktuelle Situation wirtschaftlich überstehen und ihre Mitarbeiter halten können, das beherrschende Thema“, verdeutlichte der Agenturleiter. „Das Kurzarbeitergeld hat in zahlreichen Unternehmen ermöglicht, dass das Personal weiterbeschäftigt werden konnte. Mit dem erneuten Lockdown haben daher auch viele Betriebe erneut Kurzarbeit angezeigt“, berichtete er und ergänzte: „Nach wie vor ist der Beratungsbedarf hoch und wir setzen alles daran, die Arbeitgeber und ihre Beschäftigten zu unterstützen“. Sybille Benning gab in diesem Zusammenhang ihre Gespräche mit Arbeitgebern wieder: „Viele Unternehmen loben die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit, mit der ihnen geholfen wurde“. Sie fügte an: „Die Arbeitsagentur leistet einen sehr wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie“.